Gastbeitrag von Stephie

Als ich nun vor einiger Zeit das Kleid Paris von Annika sah, war es doch tatsächlich um mich geschehen.

Flügelärmel, Beleg, Knopfleiste und aufgesetzte Taschen haben es mir sofort angetan. Ich war wirklich hin und weg. Zu diesem Zeitpunkt war dieser Schnitt, genau das was ich brauchte! Gesehen, gekauft, ausgedruckt und los ging es. Mein erstes Kleid Paris ist entstanden. Ich bin nach wie vor verliebt in dieses Kleid und könnte es jeden Tag tragen. Doch da gab es eine Sache, ein Bild in meinem Kopf, das unbedingt umgesetzt werden musste! An diesem Kleid fehlte eindeutig ein Tellerrock. Allerdings wollte ich den Tellerrock ohne Knopfleiste an das Oberteil anbringen. Und da fing das Grübeln an und die Sache nahm ihren Lauf.

Was ich nicht wollte war, zusätzlich im Rücken einen Reisverschluss einzunähen. Das wäre irgendwie doppelt gemoppelt gewesen. So kam mir die Idee mit dem Gummiband in der Taille. Das bedeutete allerdings auch, dass ich den Tellerrock mit meinem Hüftumfang errechnen musste und somit auch das Oberteil verbreitern musste, damit ich in das Kleid später auch problemlos reinkomme. Ich wollte das Kleid ja nicht zur Zierde im Schrank hängen haben, sondern es auch wirklich tragen.

Gut, der Plan war also vorhanden. Jetzt ging es ans Rechnen. Was ich vorab gern noch erwähnen möchte ist, das ich kein Profi bin. Ich bin weder eine gelernte Schneiderin noch Modedesigner oder ähnliches. Ich würde mich nicht mal zu einer „Profi-Hobbynäherin“ zählen. Eher bin ich ein fortgeschrittener Anfänger. Ich habe mich einfach ausprobiert und am Ende hat es für mich gepasst. Ich würde mich natürlich riesig freuen, wenn diese Methode für euch auch funktioniert. Ihr dürft mir gern schreiben und mir von eurer Erfahrung mit meiner Änderung berichten. 🙂 Für mein Oberteil habe ich die Gr. 34 verwendet und den Rock wie folgt neu konstruiert. Bitte beachte, dass du für deine Konstruktion deine eigenen Maße verwenden musst.

Als erstes habe ich also meinen Tellerrock berechnet. In meinem Fall habe ich mich für einen ganzen Tellerrock entschieden, der an den Seiten zusammengenäht wird.

Das ganze macht man mit der Kreisformel:

U = 2·π·r (U= Kreisumfang= Hüftumfang, r= Kreisradius)

Die nach r umgestellt wird:  

r = U : (2 π) 

Zum Hüftumfang habe ich dann noch jeweils 1cm Nahtzugabe gerechnet, diese ist im Originalschnitt schon enthalten und beträgt auch je 1cm. In meinem Fall sah das ganze also folgendermaßen aus:

r = 92 (HU+2cm)  : 6,28 = 14,6 cm 

Weil der Rock später noch an das Oberteil genäht wird, brauche ich auch dafür einen 1cm Nahtzugabe, diesen ziehe ich vom Ergebnis ab und erhalte dann ~ 13,6cm.

Nun habe ich den Radius für meinen Tellerrock berechnet und kann ihn in der gewünschten Länge zuschneiden. Dafür falte ich den Stoff einmal längs und danach noch einmal quer. Oben in die Ecke mit den geschlossenen Kannten zeichne ich nun den Radius ein und die gewünschte Länge meines Rocks plus Saumzugabe. Danach habe ich einen der beiden Brüche aufgeschnitten um 2 Seitennähte zu erhalten.

Der erste Schritt ist also getan und ich kann mich meinem Oberteil widmen. Hier bestand für mich die größte Herausforderung. Im Nachhinein ist das ganze gar nicht so schwer, aber ich gebe zu, ich hatte ein, zwei Knoten im Kopf.

Als erstes habe ich die Breite der beiden Vorderteile und des Rückenteils gemessen.
Mein Rückenteil ist an der Taille ca. 35cm breit und mein Vorderteil ca. 15cm . Das ergibt, nach Adam Riese also einen Taillenumfang von 65cm. 

Falls du noch kein fertiges Kleid Paris hast, kannst du natürlich auch direkt an deinen Schnittteilen vom Oberteil messen. Bedenke aber, dass du die Seitennaht von jeweils 1cm abziehen musst und jeweils 1,5cm für die Knopfleiste. Addiere alles zusammen und du erhältst deinen Taillenumfang.

Ich wollte die Mehrweite, die ich benötige um das Oberteil auf die Weite des Rocks anzupassen, so gleichmäßig wie möglich verteilen. Daher habe ich beschlossen die Weite an den Seitennähten vom Vorder- und Rückteil hinzuzugeben. 

Also habe ich die 90cm von meinem meinen Hüftumfang, durch 4 geteilt und erhalte den Wert 22,5cm. Ich brauche also 4 Teile die 22,5cm breit sind. 
Weil das Rückenteil im Bruch zugeschnitten wird, habe ich die Breite (35cm) durch 2 geteilt, um mit den beiden Vorderteilen am Ende 4 Teile zu erhalten. Von der hinteren Mitte aus ist das Rückenteil also jeweils 17,5cm breit.
Als nächstes musste ich herausfinden, wie viel Mehrweite ich zu allen 4 Seitennähten hinzufügen muss, um am Ende wieder auf meinen Hüftumfang von 90cm zu kommen.

Für das Vorderteil habe ich daher folgendes berechnet:

Gewünschte Breite an der Taille minus reale bzw. gemessene breite in der Taille = Differenz, die als Weite hinzugegeben werden muss

In meinem Fall waren kam ich auf die folgenden Werte:
Für das Vorderteil:

22,5cm -15cm = 7,5cm 

Um auf 22,5cm zu kommen, musste ich also an beiden Seitennähten im Vorderteil, 7,5cm hinzu geben.

Für die Berechnung des Rückenteils habe ich genau das gleiche gemacht.          

22,5cm – 17,5 cm = 5cm . Also musste ich an beiden Seitennähten am Rückenteil 5cm dazu geben.

Achtung, Kontrollrechnung für kleine Perfektionisten…

Vorderteil: 15cm + 7,5cm + 15cm + 7,5cm = 45cm

Rückenteil: 17,5cm + 5cm +17,5cm + 5cm = 45cm

45cm + 45cm = 90cm

YES!!! Es funktioniert 🙂

Nun habe ich die Schnittteile für das Oberteil, vom Originalschnitt einmal abgepaust und anschließend mit dem Kurvenlineal an den Seiten um meinen berechneten Betrag verbreitert. Da das Papierschnittmuster bereits die Nahtzugabe enthielt, musste ich diese nicht mehr zusätzlich hinzufügen. 

So sahen dann beide Schnitteile nach dem Verbreitern aus.

Genäht wird ganz normal nach der Anleitung AUßER, dass die Knopfleiste mit Knöpfen und Knopflöchern VOR dem Ansetzen des Rocks genäht wird. Somit könnt ihr das unterste Knopfloch auch noch problemlos einarbeiten. Zusätzlich wird eure Knopfleiste wunderbar gerade und passt perfekt übereinander. Außerdem wird der Tellerrock nicht gekräuselt. Das geschieht später durch das Annähen des Gummibandes.
Bevor du den Rock annähst, solltest du das Oberteil einmal anprobieren und kontrollieren, ob die Abnäher für dich noch an der richtigen Position sitzen. Bei mir hat es gut gepasst, aber jeder Körper ist ja bekanntlich etwas anders.

Als letzten Schritt, habe ich mir ein 2,5cm breites Gummiband um die Taille gelegt, damit das Kleid am Ende trotzdem figurbetont an der Taille anliegt. Das Gummiband habe ich an den Enden zusammengenäht und danach, gleichmäßig gedehnt, auf der Ansatznaht, von rechts, im Nahtschatten angenäht. Dazu habe ich eine Stichlänge von 4 verwendet. Und danach noch einmal knappkantig, jeweils oben und unten festgesteppt. 
Man kann aber auch ein schmales ca. 5-8 mm breites Gummiband oder Framilonband verwenden, welches innen an der Nahtzugabe angenäht wird. So mit sind außen keine Steppnähte sichtbar und man erhält trotzdem eine schöne Raffung inder der Taille.
Ihr könnt natürlich auch ein Bindeband nähen, mit zusätzlichen Gürtelschlaufen an den Seitennähten des Kleides. Oder aber auch einfach einen schönen Gürtel tragen. Eurer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Ich habe mich mit dem Gummiband etwas schwer getan, weil ich es von rechts festgesteppt habe, das sieht man dann leider auch auf der linken Seite. Aber die sieht ja zum Glück niemand.
Vielleicht wäre es sogar einfacher eine Seitennaht offen zu lassen, um das Gummiband gerade aufzunähen und beim schließen der Seitennaht, das Gummi mit zu verschließen. Aber warum einfach, wenn es auch kompliziert geht…

Das ist also meine Version vom Kleid Paris! Mit einem wunderschönen Tellerrock! Wie gefällt es euch? Mir gefällt diese kleine aber feine Änderung sehr gut. Ich würde mich freuen wenn es euch auch so gut gefällt und ich sogar vielleicht bald, das ein oder andere Kleid Paris mit Tellerrock bewundern darf 🙂

Übrigens findest du diesen Patternhack auch in den Story Highlights auf meinem Instagram-Kanal @frau_stephie_naeht

Habt’s fein! 
Herzlichst, Stephie

Hier kannst du noch mehr über meine Gastautorin Stephie erfahren.

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